B2B Commerce 9 Minuten Lesezeit

Shopware 6 vs Shopify Plus für B2B-Hersteller

Ehrlicher Vergleich aus Agenturperspektive: Wann Shopware 6 die richtige Wahl für B2B ist, wann Shopify Plus reicht und welche Plattform welche Hidden Costs mitbringt.

Patrick Gundlach
Web-Analytics, Tracking und datengetriebene Optimierung
18. Mai 2026
TL;DR · Unsere Position
Für klassische B2B-Hersteller mit ERP-Tiefe, Kundenstamm-Logik und individuellen Preislisten ist Shopware 6 nahezu immer die bessere Wahl. Shopify Plus glänzt bei Marken-getriebenen DTC-Profilen mit B2B-Nebengeschäft und schnellem Go-Live. Wer beides will, wählt Shopware.

Wir bekommen die Frage „Shopware oder Shopify?" mehrmals pro Monat. Meistens stellt sie ein Hersteller, der bisher einen alten Shopware-5-Shop, einen WooCommerce oder gar einen gewachsenen Magento-1-Frankenstein betreibt und nun neu aufstellen will. Die ehrliche Antwort ist nicht „kommt drauf an". Die ehrliche Antwort ist: in 70 Prozent der echten B2B-Fälle Shopware 6, in 30 Prozent Shopify Plus, und in nahezu null Prozent „beides prüfen wir mal parallel".

Wer hier verglichen wird

Shopware 6 in der Self-Hosted- oder Cloud-Variante mit aktivierter B2B Suite. Shopify Plus mit den 2024 eingeführten Company-Profiles und B2B-Catalogs. Beide Plattformen können „B2B". Die Frage ist, wo die Grenze ihrer Brauchbarkeit beginnt.

Die fünf Achsen, die wirklich zählen

1. Kundenstruktur und Preislogik

Wenn Sie Preisstaffeln, Kundengruppen-spezifische Sortimente, Mengeneinheiten ungleich Stück, Mindestbestellmengen, individuelle Skonti, EU-Steuerlogik je Lieferadresse und Freigabe-Workflows brauchen, ist Shopware deutlich näher dran. Shopify Plus hat alles davon zumindest grundlegend, aber bei drei Ebenen Komplexität fangen Sie an, App-Stacks zusammenzubauen. Jede App ist ein laufendes Abo, ein Update-Risiko und eine eigene Datenbank-Quelle.

2. ERP-Anbindung

Shopware lebt im selben Hosting wie Ihr ERP-Konnektor oder spricht via REST/Admin-API direkt mit dem ERP. Shopify zwingt Sie tendenziell zu einem Middleware-Layer (n8n, make, Celigo, Eigenbau). Bei sauberer Architektur ist beides machbar; bei „SAP plus drei Lagerstandorte plus Streckenlieferanten" ist Shopware der ruhigere Weg.

3. Time-to-Market

Hier gewinnt Shopify, und zwar deutlich. Einen sauberen Shopify-Plus-Store stellen wir in sechs bis acht Wochen live, einen vergleichbaren Shopware-6-B2B-Shop selten unter zwölf bis sechzehn. Wer eine erste B2B-Insel ausprobieren will und kein laufendes Shopsystem ablöst, sollte Shopify ernsthaft prüfen.

4. Total Cost of Ownership über drei Jahre

Lizenzkosten sind nur die Spitze. Shopify Plus startet bei rund 2.300 USD pro Monat plus Apps. Shopware 6 hat günstige Einstiegsstufen, aber die B2B Suite und Enterprise-Features verschieben das Bild. Realistisch:

Position (3 Jahre)Shopify PlusShopware 6 Rise/Evolve
Plattform / Lizenzca. 85.000 €ca. 30.000 – 60.000 €
Pflicht-Apps / Module15.000 – 40.000 €5.000 – 15.000 €
Hosting / Infrainklusive6.000 – 18.000 €
Initiale Umsetzung40.000 – 90.000 €60.000 – 140.000 €

Über drei Jahre treffen sich beide Plattformen oft erstaunlich nah. Der echte Kostenunterschied entsteht weiter unten: Wie viel Eigenentwicklung müssen Sie machen, um einen Geschäftsprozess sauber abzubilden, der nicht ins Standardmodell passt?

5. Strategische Souveränität

Shopware können Sie self-hosten, forken, in einer eigenen Cloud betreiben und in einen eigenen Headless-Frontend einbetten. Shopify ist und bleibt eine SaaS-Plattform. Wenn Ihre IT-Sicherheits- oder Datenhaltungspolitik die volle Hoheit verlangt (Stichwort Datentreuhand für Bestandskunden, Industrieunternehmen mit Compliance-Auflagen), ist Shopware der ehrliche Pfad.

Drei Profile, drei Empfehlungen

Profil A: Mittelständischer Hersteller, 5.000 B2B-Kunden, SAP, Preislisten je Vertragspartner

Empfehlung: Shopware 6 mit B2B Suite. Die Komplexität würde Shopify in eine App-Spirale zwingen, die mittelfristig teurer und fragiler wird.

Profil B: D2C-Marke mit wachsendem Wiederverkäufer-Geschäft

Empfehlung: Shopify Plus mit B2B-Catalog. Die DTC-Stärke nicht aufgeben, B2B als zweiten Kanal nebenher. Eine eigene Shopware-Installation lohnt sich nicht.

Profil C: Bestehender Shopware-5-Shop, B2B, Wartung läuft aus

Empfehlung: Shopware 6. Auf Shopify zu wechseln klingt verlockend, aber Sie verlieren Datenmodelle, Workflows und Reporting-Tiefe. Migration auf Shopware 6 ist der pragmatische Weg, siehe unseren Migrations-Leitfaden.

Was wir nicht empfehlen

Wir raten ab von „Erstmal beides parallel evaluieren mit zwei kleinen Pilot-Shops". Das führt zu zwei halbgaren Stacks, doppelter Wartung und keiner belastbaren Entscheidung. Treffen Sie die Plattformwahl auf Basis Ihrer realen Geschäftslogik, nicht auf Basis von Vergleichs-Webinaren der Hersteller.

Plattform-Entscheidung gemeinsam treffen

In einem 45-Minuten-Gespräch klären wir mit Ihnen, welche Plattform zu Ihrer Geschäftslogik passt, ohne Verkaufsdruck und ohne Standard-Pitch. Sie bekommen eine schriftliche Empfehlung mit Begründung.

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Web-Analytics, Tracking und datengetriebene Optimierung

Patrick Gundlach arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Webentwicklung, Analytics und Tracking. In seinen Artikeln teilt er Erkenntnisse aus konkreten Kundenprojekten, ohne Marketing-Schaum, ohne Werkzeug-Hype.

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