WordPress-Plugin entwickeln: was es wirklich kostet
Ehrliche Aufwandsbänder für individuelle WordPress-Plugins, was Kosten wirklich treibt, warum 800-€-Angebote ein Risiko sind und welche Wartungs-TCO Sie über drei Jahre einplanen sollten.
„Was kostet ein WordPress-Plugin?" ist eine der häufigsten Fragen in unserer Inbox. Sie ist so präzise wie „Was kostet ein Haus?". Wir haben uns angesehen, wie unsere Plugin-Projekte der letzten drei Jahre tatsächlich gelaufen sind und ziehen daraus nüchterne Ranges.
Drei Komplexitätsklassen, drei Aufwandsbänder
Klasse S: Mini-Plugin (4.000 – 8.000 €)
Typische Profile:
- Eine Custom-Post-Type-Konfiguration mit zwei Taxonomien, einer Listen-Shortcode-Ausgabe und einer Single-Template-Anpassung.
- Ein Gutenberg-Block für eine bestimmte Marketing-Komponente (z.B. ein Mitarbeiter-Karussell).
- Eine Anpassung an WooCommerce, die einen vorhandenen Hook clever umnutzt.
Aufwand realistisch: 5 bis 10 Personentage inklusive Code-Review, Doku und ersten Bugfix.
Klasse M: Standard-Plugin (8.000 – 25.000 €)
Hier landen die meisten ernsthaften Custom-Plugins. Typische Merkmale:
- Eine eigene Admin-UI mit React- oder Vanilla-JS-basiertem Setting-Screen
- Eigene Datenbanktabelle plus Migrationen
- REST-API-Endpoints für Frontend-Interaktion
- Drei bis fünf Gutenberg-Blöcke mit eigenen InspectorControls
- Integration in eine externe API (CRM, ERP, Newsletter-Service)
- Multisite-Tauglichkeit
- Translation-Ready (.pot, mindestens DE/EN)
Aufwand: 12 bis 30 Personentage. Wer Ihnen das für 4.000 € anbietet, baut keine drei davon.
Klasse L: Komplexes Plugin (25.000 – 80.000 €+)
Beispiele aus unserer Praxis:
- Buchungssystem mit Ressourcen-Verwaltung, Stripe-Anbindung und automatischem PDF-Versand
- Konfigurator für Industrieprodukte mit Preislogik und ERP-Roundtrip
- Mitgliederbereich mit gestaffelten Zugriffsrechten, Drip-Content und Stripe-Subscriptions
- B2B-Portal als WordPress-Plugin (Datei-Sharing, Auftragsverfolgung, Rechnungs-Download)
Aufwand: 40 bis 120 Personentage, je nach Tiefe der ERP- oder Drittanbieter-Integration.
Was die Kosten wirklich treibt
Aus unserer Erfahrung sind es nicht die Features auf der ersten Seite des Briefings, sondern:
- Datenstruktur. Eine schlecht entworfene Datenbank ist teurer als das gesamte Frontend. Wir investieren typischerweise 10 bis 20 Prozent der Projektzeit in Modellierung, bevor wir eine Zeile Plugin-Code schreiben.
- Schnittstellen. Jede externe API ist eine Wundertüte: Rate-Limits, Auth-Refresh, Fehler-Handling, Wiederversuche, idempotente Operationen. Was im Demo funktioniert, kostet im Live-Betrieb das Doppelte zu härten.
- Multisite und Mehrsprachigkeit. Beide klingen wie „kleine Erweiterung", sind aber strukturelle Entscheidungen und müssen ab Tag eins mitgedacht werden.
- Update-Sicherheit. Wer „schnell direkt im Theme" patcht, spart heute drei Tage und verliert übermorgen das nächste Theme-Update. Wir bauen ausschließlich via Hooks, Filter und Decorator-Pattern.
Warum 800-€-Angebote ein echtes Risiko sind
Plugins für 800 € werden gebaut. Die Frage ist nur, in welchem Zustand der Code zurückbleibt. Wir haben mehrfach Plugins „geerbt", die genau drei Probleme teilen:
- Keine Datenbank-Migration, alles im Plugin-Aktivierungs-Hook
- SQL-Statements ohne
prepare, also klassische Injection-Angriffsfläche - Frontend-Assets im wp-content ohne Bundling, doppelte jQuery-Versionen, gebrochene Plugin-Konflikte
Der nachträgliche Aufwand, ein solches Plugin zu härten, übersteigt regelmäßig die Ersparnis aus der ersten Beauftragung. Wir sagen es offen: Wenn Ihr Budget bei 800 € hart gedeckelt ist, kaufen Sie ein bestehendes Plugin und konfigurieren Sie es.
Wartung: der ehrlich gemachte TCO-Block
Ein Plugin ist nie „fertig". WordPress-Core-Updates, PHP-Versionen, Gutenberg-Änderungen und Sicherheits-Audits laufen weiter. Realistische Wartungskosten:
| Plugin-Klasse | Wartungspauschale pro Jahr | Davon abgedeckt |
|---|---|---|
| Klasse S | 600 – 1.200 € | Kompatibilitätsprüfung, kleine Anpassungen, 1 Release |
| Klasse M | 2.000 – 4.500 € | Wie S plus 2 Feature-Releases, Security-Audits |
| Klasse L | 5.000 – 12.000 € | Wie M plus Monitoring, API-Compat-Checks, größere Releases |
Plugin-Briefing in 60 Minuten
Schicken Sie uns Ihre Plugin-Idee, wir schicken zurück: eine ehrliche Komplexitätsklasse, ein Aufwandsband mit Ober- und Untergrenze und eine Empfehlung, ob Eigenentwicklung oder vorhandenes Plugin sinnvoller ist.
Plugin-Briefing starten →Patrick Gundlach arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Webentwicklung, Analytics und Tracking. In seinen Artikeln teilt er Erkenntnisse aus konkreten Kundenprojekten, ohne Marketing-Schaum, ohne Werkzeug-Hype.